Die Entfernung von unserer Unterkunft zum bcc hatten wir etwas unterschätzt, so daß wir heute morgen ungefähr eine Stunde Fußmarsch zurückgelegt haben, wir waren aber dennoch pünktlich zur hervorragenden Keynote von Rop Gonggrijp (4302) im aus allen Nähten platzenden Saal 1. Die Keynote ist auf jeden Fall eine Anguck-Empfehlung, sobald die Vortrag-Videos online sind.
Danach haben wir uns erstmal etwas umgesehen, u.a. im Hackcenter wo es 3D-Drucker, musizierende Tesla-Spulen und LED-Leisten-Ventilator-Bildschirme (wtf?) zu bestaunen gab.
Anschließend haben wir uns, ich z.T. auch aus beruflichem Interesse, den Vortrag über Embedded Reverse Engineering Tools and Techniques angesehen. Der Vortrag war nicht uninteressant, allerdings hatte ich mir etwas mehr versprochen. Wenn man mit der Materie selber schon zu tun hatte, waren einige der besprochenen Techniken recht naheliegend, andererseits waren doch einige Details und Ideen auch für mich neu, von daher hat es sich gelohnt. Der Publikumsvorschlag, zum Reverse-Engineering doch die TSA-Scanner zu verwenden, um die Leiterbahnen auf Multilayer-Boards zu entdecken, fand allgemeinen Zuspruch.
Hiernach gönnten wir uns eine kleine Pause, und ich nutzte die Gelegenheit einen kleinen Plausch mit den I2P-Leuten zu führen, von denen einige anwesend waren. Ein Thema, das von mir die letzte Zeit wegen Zeitmangel leider viel zu wenig Beachtung bekommen hat.
Um 18:30 begann dann das Diskussions-Podium zur Netzneutralität. Hier gab es eine Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk, welches die Debatte moderiert und live im Radio gesendet hat. Die Diskussion war hochinteressant, und selbst in der Community gab es deutliche Widersprüche im Pro und Contra, insbesondere wenn es um den Punkt Quality of Service geht.
Es kam sogar einmal der Punkt "Grundversorgung" auf den Tisch, und als Vergleich wurden Stromanbieter herangezogen, allerdings war im folgenden dann damit doch eher eine ungefilterte Mindestbandbreite gemeint, für die die Netzneutralität zu gelten habe, und dadrüber hinaus dann zusätzliche Dienste angeboten werden könnten. Die Tatsache, daß es auch noch viele Menschen ohne Internetzugang gibt, wurde hier bei diesem Punkt wie so oft gar nicht aufgegriffen.
Die Diskussion ist jedenfalls auch äußerst sehenswert gewesen.
Hiernach kam dann der abgefahrenste Vortrag des Abends. "Datenwolf" wollte über diverse, häßliche Desktop-Lösungen auf den Linux und BSD-Systemen berichten, bzw. ranten. Er hat allerdings nicht einmal die Hälfte seiner Folien geschafft, weil er sich fast den ganzen Vortrag über eine hitzige, teils sogar persönlich werdende, Diskussion mit Lennart Poettering geliefert hat, u.a. Entwickler von PulseAudio. Datenwolf war am Ende sichtlich verzweifelt und tat einem fast leid. Einerseits verständlich, daß Lennart sich beschwert, wenn über teils falsche Fakten referiert wird, andererseits hätte man auch die Fragerunde abwarten und das vor allem etwas zivilisierter diskutieren können, anstatt sich teilweise selbst zu beweihräuchern und im gleichen Atemzuge den Vortrag platzen zu lassen. Wie auch immer, unterhaltsam war es allemal.
Um 23 Uhr wollte ich mir erst den Stuxnet-Vortrag anhören, hab dann aber Aushänge für einen Esperanto-Schnupperkurs gesehen, welchen ich dann auch wahrgenommen hab. Hier haben maha und Würfel einen kleinen Workshop gegeben und sind auf die Entstehung, grundlegende Grammatik und Wortbildungsregeln eingegangen, womit im Verlauf des Workshops auch einzelne Sätze übersetzt werden konnten. Da man aber nicht innerhalb einer Stunde eine neue Sprache lernen kann, kam am Ende die Überlegung auf, daß sie auf anderen Events eventuell sogar einen 2-tägigen Kurs anbieten wollen.

