Gestern Abend hatte es uns auf das
Generation Prog Festival nach Nürnberg verschlagen.
Der Hauptgrund für den Besuch war der Auftritt von
Andromeda, die man 2001 durch ihr Debut-Album "Extension of the Wish" kennengelernt hat. Danach waren sie medial hierzulande nicht sehr präsent, und ich hab bisher immer gedacht, die Band hätte sich aufgelöst, weil man in den folgenden Jahren im Netz nur Informationen über eine gleichnamige Techno-Gruppe gefunden hat. Umso überraschter war ich, als ich erfahren hab, daß sie mittlerweile fünf neue Alben in den letzten Jahren veröffentlicht haben. Da hab ich einiges nachzuholen.
Die anderen Bands, die am Samstag auftreten sollten, waren mir bis dato alle unbekannt. Folglich war ich also entsprechend gespannt, was mich erwarten würde. Nach der leidigen Parkplatzsuche, die in Nürnberg immer wieder ein Abenteuer ist, kam ich nur wenige Minuten nach Beginn der ersten Band in der
Luise Cultfactory an. Die Location gefiel mir auf Anhieb recht gut, schnuckelige Bühne, vor der schätzungsweise 100 Leute Platz finden würden, gegenüberliegend ging die Zuschauerfläche in einen Bereich mit Sitzgelegenheiten und Theke über.
Überraschenderweise war schon einiges los, aus meiner bisherigen Erfahrung sind Auftritte von Prog Bands eher rar besucht, wenn man mal von den bekannten Genre-Platzhirschen absieht. Erfreulicherweise scheint es da in den letzten Jahren einen etwas gegenläufigen Trend zu geben.
Die erste Band des Abends war
Theory of Elements, die einen soliden Progrock spielten, von der musikalischen Atmosphäre her aber eher einen ruhigeren und stellenweise melancholischen Eindruck hinterließen. Irgendwie hatte ich anfangs auch das Gefühl, daß mir da irgendetwas bekannt vorkam, aber ich konnte es zuerst nicht richtig greifen. Später fiel mir auf, daß mich die Band an Queensrÿche erinnert, insbesondere aufgrund der Stimme des Sängers.
Der Abend hatte sich hier für mich jedenfalls schon gelohnt, wenn die erste Band schon so einen professionellen Auftritt hinlegte, konnte es nur noch besser werden.
Und so standen nach einer kurzen Umbau-Pause
Subsignal auf der Bühne. Subsignal waren für mich die Überraschung des Abends. Selten sieht man eine Band, die live so eine Spielfreude versprüht, was auch vom Publikum entsprechend honoriert wurde. Insbesondere der Frontmann wußte wie Interaktion funktioniert und konnte das Publikum stark motivieren.
Der Auftritt in Nürnberg war der erste ihrer aktuellen Tour, wer mal die Chance hat, sie live sehen zu können, bekommt hier eine klare Empfehlung.
Als dritte Band standen
Relocator auf dem Programm. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, war deren Bassist auch einer der Organisatoren des Festivals. Relocator spielten rein instrumental ohne Gesang, was einem anfangs immer das Gefühl vermittelt, daß etwas fehlen würde. Allerdings stand hier jemand mit E-Geige auf der Bühne, welche mit entsprechenden Lead-Melodien zum Einsatz kam. (Ich mag den Sound von den Dingern!) Die Spielweise war deutlich härter im Vergleich zu den beiden vorherigen Bands und technisch auf sehr hohem Niveau.
Leider fingen hier schon langsam die Reihen im Publikum an sich zu lichten. Ich weiß nicht ob's an der Uhrzeit lag, oder weil vielleicht viele wegen Subsignal kamen. Allerdings war die Musik von Relocator auch definitiv kein Easy-Listening. Der Anteil der Nichtmusiker im Publikum dürfte spätestens jetzt die Anzahl der FDP-Wähler unterschritten haben.
Zum Schluß stand dann Andromeda auf der Bühne, was nach fünf Jahren ihr erster Auftritt in Deutschland war. Anfangs hatte ich den Eindruck, daß der Funke nicht so recht überspringen wollte, aber das änderte sich schnell. Die Stimmung im harten Kern des Publikums und der Band steigerte sich bis zum Schluß, und mir kam's am Tag drauf noch vor als hätte ich noch Adrenalin von diesem Auftritt im Blut. Wenn es irgendeine Band gibt, die man mit Fug und Recht als "underrated" bezeichnen könnte, sind es Andromeda.
Ich will den musikalischen Stil mal so beschreiben: Ich hatte mich vorher während einer Umbaupause noch mit einem Kollegen drüber unterhalten. Wenn man jahrelang progressive Musik hört, bekommt man irgendwann ein Gefühl dafür, wann eine Band in ihren Songs die typischen Off-Beat Breaks einbaut, oder wie sich die Arrangements entwickeln. Viele Bands haben da doch einen recht ähnlichen Stil, der dem progressiven Genre zugrunde liegt.
Bei Andromeda ist das selten der Fall. Wenn man die Songs nicht kennt, hat man meistens keine Ahnung was als nächstes kommt. Trotz dieser Unberechenbarkeit, haben die Songs aber dennoch immer etwas treibendes, das einen mitreißt. Und ich glaube die Band macht sich auch einen Heidenspaß daraus, zu sehen wie oft das Publikum beim Headbangen aus dem Takt kommt.
Zu dem Auftritt von Theory of Elements gibt es sogar schon eine Aufnahme von gestern, long live the Internet:
Ein älterer Auftritt von Subsignal mit Paradigm:
Relocator mit einem Ausschnitt von The Alchemist auf dem Festival:
Und zum Abschluß noch Andromeda ebenfalls mit einem älteren Live-Auftritt und einem Song ihres Debut-Albums "In the Deepest of Waters":
Wenn es nächstes Jahr von diesem Festival eine Neuauflage geben sollte, kann ich jedem Fan von etwas anspruchsvollerer Musik nur wärmstens empfehlen sich den Termin schonmal vorzumerken.