Aus aktuellem Anlaß möchte ich mal eine kleine, persönliche Geschichte erzählen:
Es ist jetzt ungefähr zehn Jahre her, daß ich einem langjährigen und guten Freund die Freundschaft gekündigt habe.
Wir kannten uns von kleinauf, sind zusammen groß geworden und haben viel zusammen erlebt. Es war eine schöne Zeit, an die ich manchmal gerne zurückdenke.
Aber irgendwann stellte ich fest, daß sich sein Verhalten mir gegenüber mit der Zeit änderte. Ich bemerkte, daß er hin und wieder anfing mich zu belügen, daß er mich nicht mehr ernst nahm oder daß er mir Sachen versprach, die er nie einhielt.
Anfangs waren es nur Kleinigkeiten, und ich habe darüber einfach hinweggesehen und mir nichts weiter dabei gedacht. Jeder hat schließlich so seine Macken, und im großen und ganzen waren wir sonst immer noch gute Freunde. Wenn ich ihn brauchte, war er trotz alledem jederzeit für mich da.
Auch bei meinen sonstigen Freunden und Bekannten war er ein gern gesehener Gast, und ist er teilweise auch heute noch. Da sich diese an seinen Macken nicht störten, machte ich mir über sein Verhalten damals auch nicht weiter Gedanken. Außerdem war er ein sehr guter Allein-Unterhalter, immer einen Witz auf den Lippen und man hatte meistens Spaß in seiner Gesellschaft, das muß ich ihm zugute halten.
Allerdings wurde sein Verhalten im Laufe der Jahre immer schlimmer, und es ließ sich von mir einfach nicht mehr tolerieren. Er begann zu lügen, sobald er den Mund aufmachte. Er versuchte Leute gegeneinander auszuspielen, wenn es ihm in den Kram paßte, und er hat nie einen Fehler eingestanden oder sich entschuldigt. Die Arroganz und Hartnäckigkeit, mit der er versuchte anderen seinen Lebensstil aufzuzwingen, war schon fast unerträglich.
Als ich dann vor zehn Jahren in eine andere Stadt gezogen bin, habe ich den Schlußstrich gezogen, ihm klipp und klar gesagt, daß ich mit ihm nichts mehr zu tun haben will, wenn er sein Verhalten nicht ändert, und jeglichen Kontakt abgebrochen.
Nun ließ es sich in den vergangenen zehn Jahren aber dennoch nicht immer vermeiden, ihm aus den Weg zu gehen, z.B. wenn wir beide bei Bekannten zu Gast waren. Und jedesmal wenn ich ihm wieder begegne, bin ich froh damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich bin jedesmal fassungslos, wenn ich sehe wie offensichtlich und plump er seine Mitmenschen mittlerweile für dumm verkauft, ihnen dreist in's Gesicht lügt und damit auch noch durchkommt. Aber er kann sich nunmal gut verkaufen und das scheint vieles wieder wettzumachen.
Wenn man sich bei anderen über sein Verhalten beschwert, erntet man teilweise zwar Zustimmung aber meistens dann doch nur ein Schulterzucken. Das sei nunmal seine Art, hab dich doch nicht so, heißt es dann.
Ich verlange von niemandem es mir in meiner Entscheidung gleichzutun, das muß jeder selber wissen.
Aber ich bin wirklich heilfroh, daß ich dem ganzen Theater vor zehn Jahren ein Ende gesetzt habe. Und ich sehe mich jedesmal wieder auf's Neue darin bestätigt wenn ich ihm begegne, daß es damals die richtige Entscheidung war, den Fernseher endgültig aus meiner Wohnung zu verbannen.
Monday, 9. August 2010
Ende einer Freundschaft
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